Wie du dich von den Erwartungen deiner Eltern löst…

Erwartungen deiner Eltern … oder warum du diesen Post unbedingt deinen Eltern zeigen solltest 😉

Ich schreibe diesen Artikel in erster Linie für dich, wenn du beruflich etwas machen möchtest, wovon dir deine Eltern vehement abraten.

Und ich schreibe diesen Artikel für alle Eltern, die mit gut gemeinten Ratschlägen ihren Kindern bei der Berufswahl helfen möchten.

Liebe Eltern: An dieser Stelle wird es wahrscheinlich einige von Ihnen geben, die das nun Folgende nicht gern hören werden: Ihre eigenen Wünsche für Ihre Kinder sind bei der Berufswahl Ihrer Kinder weder gefragt, noch besonders hilfreich.  Im Gegenteil: Die meisten jungen Menschen lassen sich durch das Reinreden und die Bedenken der eigenen Eltern massiv verunsichern.

Das Vertraute gewinnt

Es ist noch nicht soooo lange her, dass die Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder maßgeblich mitbestimmt bzw. diese sogar vorgegeben haben. Früher war total klar: Der Vater war Schreiner oder Banker, dann wird es der Sohnemann auch.

Früher mag das alles seinen Sinn gehabt haben. Die Auswahl war beschränkt. Studieren konnten eh nur die, die es sich leisten konnten.  Es war nicht die Frage, ob dir dein Beruf Spaß machen soll, sondern es ging  um die Praktikabilität: Welche Berufe kenne ich schon? Kann ich mir das leisten? Wie kommt schnell Geld rein? Danach wurde entschieden.

Dazu kam noch ein weiterer, ganz wichtiger Aspekt.

Der Sicherheitsaspekt: Warum Eltern wollen, dass der Job möglichst sicher ist?

Noch vor nicht allzu langer Zeit galt z.B. der Beruf des Bankers als ziemlich krisensicher. Meine Eltern haben mir z.B. geraten: „Anja, lerne doch Bankkauffrau. Da verdienst du gut und es ist sicher.“ Nichts lag mir ferner. Gott sei Dank (so lieb, wie ich meine Eltern habe) habe ich nicht auf sie gehört.

Und by the way: Der Beruf des Bankers ist heute übrigens alles andere als krisensicher.

Der Wunsch nach Sicherheit hat natürlich eine historische Komponente und ist ganz logisch: Die Eltern deiner Eltern kommen noch aus einer Zeit, in der es galt zu überleben. Die Nachkriegsjahre waren von Verzicht und Angst geprägt. Diese Angst hat sich durch Erziehung natürlich auf deine Eltern  übertragen. Es ist nur ganz natürlich, dass sich dieser Wunsch nach Sicherheit auch auf die nächsten Generationen überträgt.

Das Ausland kennt den Begriff der „German Angst“. Man hat sich noch nicht mal die Mühe gemacht, einen eigenen Begriff zu finden, sondern hat einfach das deutsche Wort weiter verwendet. Es gibt nur wenige Länder, die so sehr mit der Angst und dem daraus erwachsenden Wunsch nach Sicherheit zu tun haben, wie Deutschland.

Als Mutter zweier Söhne kann ich deine Eltern gut verstehen. Sie wollen nur „das Beste“ für dich und machen sich immerzu Gedanken über dich. Und das hört bei der Berufswahl nicht auf. Der Wunsch dich zu beraten, resultiert natürlich aus der reinen Fürsorge heraus.

Nur: Die Welt hat sich stark verändert.  Und sie ändert sich tagtäglich in einem rasanten Tempo, das einem manchmal ganz schwindelig werden kann. Die Strategien von gestern taugen nichts mehr in der heutigen Welt.

Was heißt das für deine Berufswahl?

Alles, was für deine Eltern selbst wichtig war – wie gute Zukunftsaussichten, ein ordentliches Gehalt, der Sicherheitsaspekt – verliert zunehmend an Relevanz.

Aussichten werden immer unvorhersehbarer. Vor ca. 10 Jahren hätte niemand daran gedacht, dass der Beruf des Bankkaufmanns nicht mehr die Sicherheit von früher bietet und viele Arbeitsplätze aufgrund von online Banken und Instituten wie Paypal weggefallen sind und noch viele mehr wegfallen werden.

Und das ist erst der Anfang. Durch die Digitalisierung wird eine massive Umverteilung der Arbeit stattfinden. Immer mehr einfache, durch die Technik ersetzbare Jobs fallen weg. Und andere neue Jobs entstehen.

Wie wird sich denn die Berufswelt entwickeln?

Viele Berufsfelder, die heute noch existieren, werden in 10, 20 oder 30 Jahren vom Erdboden verschwunden sein. Niemand kann genau voraussehen, wie sich die Berufswelt entwickeln wird und welche Berufe betroffen sein werden.

Ein derzeitiger Trend sind weniger unbefristete Anstellungsverhältnisse. An ihre Stelle treten Zeitverträge, freie Mitarbeiter und ganz viele neue Formen von Selbstständigkeit.

Die so vermeintliche Sicherheit wandelt sich in einem immer schnelleren Maße hin zur Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen. Dieser Trend wird vermutlich weiter zunehmen.

Worauf kann ich dann noch vertrauen?

Was liegt da näher, als auf das zu setzen, was dir selbst Spaß macht. Wofür du eine echte Leidenschaft entwickeln kannst. Was dir leicht fällt. Das ist krisensicher, denn das kommt aus dir heraus.

Du arbeitest dann in einem Berufsfeld, in dem du dich voll einbringen kannst. Einfach, weil du es willst. Weil du von innen motiviert bist. Weil es dir ein inneres Bedürfnis ist.

Nicht, weil du den Druck hast, es zu tun.

Ein weiterer Aspekt ist, dass Hingabe für gute Leistungen sorgt. Und wenn du gut in etwas bist, hast du ein viel höheres Maß an Sicherheit, als wenn du nur Durchschnittsleistungen bringst.

Was kannst du tun?

Wenn du befürchtest, dass deine Eltern dich sehr stark beeinflussen wollen oder es schon tun, dann solltest du dich auf das notwendige Gespräch gut vorbereiten.

Plane das Gespräch mit deinen Eltern. Am besten du wartest einen guten Zeitpunkt ab oder du machst einen Termin mit deinen Eltern, in denen du ankündigst, mit ihnen über deine Berufswahl sprechen zu wollen. Je besser du vorbereitet bist, desto leichter das Gespräch.

Wie gehst du am besten vor?

1. Mach dir erst mal klar, was du wirklich gern tust und wofür du dich interessiert. Der erste Schritt ist immer, dir selbst Klarheit über deine eigenen Ziele zu verschaffen.

2. Wenn du weißt, was du willst, dann lege dir gute Argumente zurecht. Überlege dir, was du mit dem Studium/mit der Ausbildung später vielleicht machen möchtest. Wofür du dich begeistern könntest. Werde hier so konkret wie möglich.

3. Wenn du dir selbst klar geworden bist, was du willst, erst dann sprich mit deinen Eltern darüber. Andernfalls ist es so, als würdest du einen kleinen Setzling, den du mühsam auf der Fensterbank aufgezogen hast, im Winter ins Freie pflanzen. Hätte der Setzling eine Überlebenschance? Wohl kaum.

Lege in dem Gespräch deine Argumente dar und überzeuge sie, warum gerade diese Ausbildung oder dieses Studium das Richtige für dich ist. Wenn du es vorträgst, kannst du auch selbst für dich spüren, ob deine Ideen dich wirklich tragen. Oder ob du dir vielleicht etwas schön redest und dich selbst belügst.

4. Wenn deine Eltern versuchen, dir deinen Berufswunsch auszureden, bleib ruhig und habe im Hinterkopf, dass sie dir nur helfen wollen. Jetzt bloß nicht gleich einknicken. Diskutiere mit ihnen darüber. Auf Augenhöhe. Höre dir ihre Argumente an. Was wollen sie dir sagen? Welche Bedenken haben sie? Könnte da etwas dran sein?

5. Finde Argument dafür und dagegen. Und dann wäge ab. Ehrlich und wahrhaftig. Rede dir nichts schön und belüge dich nicht selbst. Und ganz wichtig: mach deine Entscheidung nicht abhängig von äußeren Umständen. Lass nicht Angst deine Entscheidung bestimmen, sondern entscheide danach, was für dich wichtig ist, was für dich Sinn macht. Was dein Herz sagt.

Und zum Schluss einen Rat an Sie als Eltern:

Unterstützen Sie Ihre Kinder dabei, zu werden, wer sie ohnehin schon sind. Animieren Sie sie, das zu machen, was ihnen die größtmögliche Befriedigung verschafft und Begeisterung auslöst. Auch wenn es nicht Ihrem eigenen Ideal entspricht.

Sie können und sollten Ihre Kinder natürlich unterstützen, wo Sie können. Diskutieren Sie mit ihnen darüber. Offen und ehrlich. ABER: Bitte reden Sie Ihren Kindern nichts aus, wofür sich Ihre Kinder wirklich begeistern können. Auch wenn Sie glauben, dass ein anderer Beruf viel besser wäre.

Ich drücke Ihnen die Daumen, dass dieser so wichtige Übergang von Schule in den Beruf gelingt. Alles Gute für Sie und Ihre Tochter oder Sohn!

Und wie immer gilt:

Sei mutig und mach dein Ding!

Anja

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