Wie Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn unterstützen können

Auf ein Wort an die Eltern

Liebe Eltern,

an dieser Stelle wird es wahrscheinlich einige von Ihnen geben, die das nun Folgende nicht gern hören werden:

Ihre Wünsche sind bei der Berufswahl Ihrer Kinder weder gefragt, noch besonders hilfreich.

Im Gegenteil: Die meisten jungen Menschen lassen sich durch das Reinreden und die Bedenken der eigenen Eltern massiv verunsichern.

Es ist noch nicht so lange her, dass die Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder maßgeblich mitbestimmt bzw. sogar vorgegeben haben. Früher war total klar: Der Vater war Schreiner oder Banker, dann wird es der Sohn auch. Die Mutter war Friseurin oder Hausfrau, dann soll die Tochter am besten dasselbe machen.

Früher mag das alles seinen Sinn gehabt haben. Es gab auch gar nicht so viel Auswahl bei der Berufswahl. Studieren konnten ohnehin nur die, die es sich leisten konnten. Es war nicht die Frage, ob dir dein Beruf Spaß machen soll, sondern es ging  um die Praktikabilität und um die Sicherheit:

  • Wie sicher ist der Job?
  • Kann ich mir die Ausbildung leisten?
  • Wie kommt möglichst schnell Geld rein?

Das waren die Kriterien, nach denen früher entschieden wurde.

Warum Eltern wollen, dass der Job möglichst sicher ist?

Dazu kam noch, ein weiterer, ganz wichtiger Aspekt. Noch vor nicht allzu langer Zeit galt z.B. der Beruf des Bankers als ziemlich krisensicher.

Meine Eltern haben mir z.B. geraten: „Anja, lerne doch Bankkauffrau. Da verdienst du gut und es ist sicher.“ Glauben Sie mir: Nichts lag mir ferner. Gott sei dank habe ich nicht auf sie gehört. Ich wäre kreuzunglücklich geworden. Und ganz nebenbei: Der Beruf des Bankers ist heute alles andere als krisensicher.

Eigentlich ist es ganz logisch: Die Eltern Ihrer Eltern kommen noch aus einer Zeit, in der es galt zu überleben. Die Nachkriegsjahre waren von Verzicht und Angst geprägt. Diese Angst hat sich durch Erziehung natürlich auf Sie  übertragen. Es ist nur ganz natürlich, dass dieser Wunsch nach Sicherheit sich auch auf die nächsten Generationen überträgt. Nicht umsonst kennt das Ausland den Begriff der „German Angst“. Das Ausland hat sich noch nicht mal die Mühe gemacht, einen eigenen Begriff zu finden, sondern hat einfach das deutsche Wort weiter verwendet. Es gibt nur wenige Länder, die so sehr mit der Angst und dem daraus erwachsenden Wunsch nach Sicherheit zu tun haben, wie Deutschland.

Ich verstehe alle Ihre Sorgen. Ich habe selbst zwei Söhne und verstehe nur zu gut, was in Ihren Köpfen vor sich geht. Eltern machen sich immerzu Gedanken über Ihre Kinder und das hört bei der Berufswahl nicht auf.

Doch dazu möchte ich Ihnen folgendes sagen: Die Welt hat sich seit Ihrer eigenen Berufswahl sehr verändert. Und sie ändert sich ständig in einem so rasanten Tempo, das einem manchmal ganz schwindelig werden kann. Und dieser Trend wird weiter zunehmen.

Die Veränderung von heute wird niemals wieder so langsam sein.

Auch wenn Sie das erschreckt: Es ist ein Fakt.

Alles, was für Sie selbst wichtig war – gute Zukunftsperspektiven und der Sicherheitsaspekt – verliert zunehmend an Relevanz.

Alles wird immer unvorhersehbarer. Hätten Sie noch vor ca. 10 Jahren gedacht, dass der Beruf des Bankkaufmanns nicht mehr die Sicherheit von früher bietet und viele Arbeitsplätze aufgrund von online Banken und Instituten wie Paypal weggefallen sind und noch viele mehr wegfallen werden? Wohl kaum oder?

Und das ist erst der Anfang. Durch die Digitalisierung wird eine massive Umverteilung der Arbeit stattfinden.

Was heißt das für die heutige Berufswahl Ihrer Kinder?

Viele Berufsfelder, die heute noch existieren, werden in 10, 20 oder 30 Jahren vom Erdboden verschwunden sein.

Unbefristete Anstellungsverhältnisse werden weniger. An ihre Stelle treten Zeitverträge, freie Mitarbeiterverhältnisse und ganz viele neue Formen von Selbstständigkeit.

Die so vermeintliche Sicherheit wandelt sich in einem immer schnelleren Maße hin zur Eigenverantwortlichkeit jedes Einzelnen.

Was liegt da näher, als auf das zu setzen, wo die natürliche Talente ihrer Kinder liegen.

Und auf das, was ihnen Spaß macht. Wofür sie eine echte Leidenschaft entwickeln können. Denn Begeisterung kommt von innen und ist krisensicher. Wenn ihre Kinder in einem Berufsfeld arbeiten, in dem sie sich voll einbringen. Nicht, weil sie den Druck haben, es zu tun, sondern einfach, weil sie es wollen.

Hingabe macht Spitzenleistungen erst möglich. Und Spitzenleistungen wiederum – egal in welchem Berufsfeld –  sind ein Garant für eine viel höhere Sicherheit. Persönlich wie auch arbeitsplatztechnisch.

Mein Rat an Sie als Eltern lautet daher:

Unterstützen Sie Ihre Kinder dabei, zu werden, wer sie ohnehin schon sind.

Animieren Sie sie, das zu machen, was ihnen die größtmögliche Befriedigung verschafft und Begeisterung auslöst. Auch wenn es nicht Ihrem eigenen Ideal entspricht.

Sie können und sollten Ihre Kinder natürlich unterstützen, wo Sie können. ABER: Sie sollten Ihren Kinder keine Ratschläge geben, was Sie beruflich machen sollen. Das ist nicht einfach, ich weiß das. Sowohl aus unzähligen Beratungen als auch aus meiner Rolle als Mutter heraus.

Und ich weiß auch, dass Sie sich wahrscheinlich Sorgen machen: Gibt es eine gute Perspektive, ist der Beruf sicher, was können Sie verdienen etc….. ? Ich kann Ihre Bedenken förmlich hören.

Sie können und sollten Ihre Kinder natürlich unterstützen, wo Sie können. Diskutieren Sie offen und ehrlich mit ihnen über ihre Motive und versuchen Sie sie zu verstehen. ABER: Bitte reden Sie Ihren Kindern nichts aus, wofür sich Ihre Kinder wirklich begeistern können. Auch wenn Sie glauben, dass ein anderer Beruf viel besser wäre.

Denn: Ihre Tochter oder Ihr Sohn sollten eigene Erfahrungen machen dürfen.

Ich drücke Ihnen die Daumen, dass dieser so wichtige Übergang von Schule in den Beruf gelingt. Alles Gute für Sie und Ihre Tochter oder Ihren Sohn!

Schauen Sie doch mal unter Berufswahl Coaching, wie ich Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn helfen kann, wenn sie/er nicht weiterkommt und alles wie festgefahren scheint.

Hier können Sie Erfahrungsberichte einsehen.

Und hier ein paar Feedbacks von den jungen Menschen.

Herzliche Grüße

Anja Worm

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