Warum du die Frage nach deinen Schulnoten bei der Berufswahl vergessen solltest…

Gute SchulnotenImmer wieder treffe ich auf Menschen, die zuerst nach den Schulnoten schauen bei der Frage nach der richtigen Berufswahl.

Ich denke da anders. Ich sage dir hier und jetzt, dass das Blödsinn ist und dass du dich getrost davon verabschieden kannst.

Provokante These, ich weiß. Und ich werde versuchen, dich zu überzeugen, warum ich das denke, und dass ich damit nicht falsch liege.

Die meisten Fähigkeiten kannst du lernen

Wenn du den Abitur gemacht hast und aus der Schule kommst, bist du zwischen 17 und 20 Jahren, in der Regel. Du hast im Schnitt irgendwas zwischen 15 und 20 Schulfächern und hast meistens 1-2 Hobbys wie Sportarten, Musik, Theater etc. Du hast also bereits eine ganze Menge Dinge gelernt.

Vom Rechnen übers Schreiben, von binomischen Formeln über Gedichtinterpretation, von Photosynthese bis hin zu dem Periodensystem der Elemente. Du lernst, wie du eine gute Präsentation hältst und wie du dich optimal in Diskussionen einbringst. Mit anderen Worten: du erwirbst Fach- und Methodenwissen. Das bildet die Grundlage für alle weiteren Berufe. Eine Grundlage. Nicht mehr, und nicht weniger. Keine Richtungsentscheidung.
Wenn du dich nun auf die Suche nach deinem zukünftigen Berufsfeld machst, frag also nicht nach dem, was du bisher gelernt hast und worin du bisher gut warst. Wissen und Kompetenzen kannst du nämlich jederzeit dazu lernen. Und das wirst du ja auch müssen.

Begrabe nicht deine Träume, nur weil du (bisher) in Mathe nicht gut warst

Wie oft höre ich: Ich würde gern das und das machen, aber dazu brauche ich Mathe. Ja, gewiss, wenn du kein Mathegenie bist und du sollst dich durch zwei Semester Statistik quälen, ist das sicher kein Zuckerschlecken. Aber seien wir mal ganz ehrlich: Inwieweit brauchst du Mathe dann hinterher noch? Und inwieweit kannst du dich durch diese Hürde durchbeissen? Und einfach mehr lernen dafür?

Nehmen wir mal an, du träumst davon, irgendwann mal die Marketing Abteilung eines großen Sportherstellers zu leiten. Du liebst Sport und du magst gute Materialien. Du hast bereits jetzt eine Leidenschaft für gute Laufschuhe und gut designte, atmungsaktive Lauf-Shirts. Du hättest so richtig „Bock“ darauf, andere Menschen davon zu überzeugen, dass die Welt diese coolen Materialien braucht. Und zwar in einer Marketing Abteilung.

Nun überlegst du dir, was du dafür studieren müsstest, damit dein Traum Wirklichkeit wird. Du entscheidest dich, dass BWL oder Sportmanagement eine gute Grundlage wären. In beiden Studiengängen liegt der Fokus natürlich auch auf betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen und dafür brauchst du Mathe. Aber, leider, leider  hattest du in Mathe meistens nur eine Vier gehabt.

Ausgeträumt? Musst du deinen Traum nun begraben und kannst BWL oder Sportmanagement nicht studieren? Heisst das, dass du damit scheitern würdest?

Ich glaube nicht. Du kannst das lernen. Vorausgesetzt, du willst dein Ziel wirklich erreichen. Und du weißt, warum du es lernen willst. Deine Motivation muss stark genug sein.

Was sagen Schulnoten eigentlich aus?

Ich selbst hatte in Mathe meistens eine Vier und habe immer fest geglaubt „ich kann kein Mathe“. Dann kam ein Lehrer, der mir gezeigt hat, dass Mathe auch spannend sein kann und schwups, war ich auf einer Zwei. Ohne große Anstrengung.

Was war passiert? Ich empfand plötzlich Begeisterung für das Fach, das vorher immer nur langweilig, undurchsichtig und schwer zugänglich für mich war. Weil sich meine eigene Einstellung dazu verändert hatte.

Natürlich war auch ein anderer Faktor entscheidend: Der Lehrer! Er hatte mir gezeigt, wieso Mathe auch spannend sein kann. Er hatte Praxisbezug hergestellt. Er hat selbst für sein Fach gebrannt und mich damit angesteckt.

Schulleistungen hängen von vielerlei Faktoren ab.

  • von unserer eigenen Einstellung zum Fach
  • vom Lehrer und seiner Fähigkeit zu unterrichten
  • vom Lehrer und seinem Engagement
  • von der Schule und dem dortigen Lernkonzept
  • von der Menge der ausgefallenen Stunden
  • von unserer eigenen Lernumgebung (Eltern, Mitschüler etc.)
  • und und und…

Ich glaube, dass Schulleistungen immer nur eine Momentaufnahme sind. Die sich sehr schnell ändern kann und auch lässt.

Hürden kannst du überspringen

Ist dein Traum, deine Vision oder dein „Warum“ stark genug, kannst du also auch über Hürden hinweggehen. Eben, weil du dein Ziel im Blick hast. Weil du weisst, wofür du das machst.

Mathe ist in dem Beispiel ja nur ein Teil des Ganzen. Es geht hierbei um ganz andere Aspekte: Vielleicht möchtest du Menschen für die tollen Sportmaterialien begeistern. Vielleicht möchtest du viele Menschen zum Sport bringen. Oder du hast eine ganz andere Motivation. Was auch immer es ist: du hast einen klaren Fokus. 

Gibt es auch Grenzen? Wo sind Schwächen ein Hindernis?

Ich denke nein. Es gibt keine Grenzen. Ich würde keinem einzigen jungen Menschen von einem Studiengang oder Ausbildungsgang abraten, wenn er oder sie es wirklich, wirklich will.

Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass du es dann nicht schaffst. Und du hast es dann natürlich schwerer.

Nehmen wir an, du hast eine Lese-/Rechtschreibschwäche. Wie wahrscheinlich ist es dann, dass du in einem sprachlichem Studiengang glücklich wirst? Du wirst viel mehr Zeit und Energie für das Lesen und Schreiben aufbringen müssen als deine Kommilitonen.

Die Frage ist: Willst du das? Brennst du so sehr für Literatur, dass du das auf dich nehmen willst? Wenn ja: Go for it!

Spitzenleistungen entstehen in erster Linie durch Hingabe, nicht durch Talent

Topleistungen entstehen nicht in erster Linie durch Talent. Natürlich hilft Talent, keine Frage. Es ist allerdings nur das Sahnehäubchen, nicht mehr.

Nur, wenn du so richtig infiziert und voller Hingabe für etwas bist, wirst du freiwillig viel Zeit ins Lernen investieren. Und wir werden erst dann so richtig gut in etwas, wenn wir mit Hingabe überdurchschnittlich viel Zeit in eine Sache investieren. Und dann kannst du mit viel Arbeit und Begeisterung für eine Sache auf jeden Fall Leute überholen, die mit deutlich mehr Talent als du gesegnet sind.

Nehmen wir zum Beispiel Madonna. Sie ist nicht die allergrößte Sängerin, also nicht mit dem größten Talent gesegnet. Wäre sie jemals so erfolgreich geworden, wenn sie nicht alles für ihren Erfolgswunsch gegeben hätte?

Oder der Basketballstar, der seine fehlende Größe dadurch ausgleicht, dass er jeden Tag zusätzlich trainiert, weil er unbedingt erfolgreich sein will. Weil er brennt für den Sport.

Oder unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie ist promovierte Physikerin, hat also eigentlich eine ganz andere Kernkompetenz erlangt, als das, was sie jetzt tut. Glaubst du, sie würde so erfolgreich sein und ihre mit Sicherheit deutlich über 40 Wochenstunden hinausgehende Arbeitszeit meistern, wenn sie nicht dafür brennen würde, was sie tut?

Es gibt zahlreiche Beispiele für Menschen, die erfolgreich sind mit dem, was sie tun, obwohl sie von Haus aus eigentlich nicht die optimalen Bedingungen mitbringen.

Die Menschen sind deswegen erfolgreich, weil sie sich einer Sache voll und ganz hingeben. Weil sie alles dafür tun. Weil sie mit jeder Faser ihres Körpers lieben, was sie tun. Und das kannst du eben nicht lernen. Das kommt von innen heraus.

Begeisterung schafft Erfüllung und Erfolg

Wenn du deinen Job liebst, bist du von innen heraus motiviert. Du strebst dann ganz natürlich nach eigenem Wachstum. Und das gibt dir eine tiefe Befriedigung. Du bist erfüllt von dem, was du tust. Der Erfolg lässt sich dann (fast) gar nicht mehr vermeiden. Er ist ein Nebenprodukt deiner Hingabe für deinen Job.

Begeisterung ist krisensicher

Ein anderer wichtiger Punkt ist: du wirst mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann in deinem Leben auch mal an einen Punkt kommen, an dem nicht alles rund läuft. Zeiten, in denen vielleicht die Branche, in der du arbeitest, nicht gut läuft. Menschen entlassen werden. Oder du hast private Schwierigkeiten. Wenn du dann in einem Beruf arbeitest, der dich erfüllt, hast du es wesentlich leichter, da dir dann die berufliche Säule Stabilität in unsicheren Zeiten gibt. Der Beruf gibt dir dann Sicherheit von innen heraus.

Wenn du mal entlassen werden solltest, wovor heutzutage niemand wirklich gefeit ist, gibt dir das Gefühl, in dem richtigen Job zu sein, die Sicherheit wieder einen neuen Job finden zu können. Denn „infizierte“ Arbeitnehmer sind wertvolle Arbeitnehmer, die sich jeder Unternehmer wünscht.

Fazit

Gehe nicht nach den Schulnoten, wenn du nach deinem Studienplatz suchst. Frag dich lieber

  • Was tust du total gern, auch wenn du dafür nicht bezahlt werden würdest?
  • Wo liegen deine Interessen und Neigungen?
  • Wofür kannst du dich begeistern?
  • Was macht dir von Herzen richtig Spaß?

Das kann – muss aber nicht – deinen guten Schulnoten entsprechen.

Und dann schau, in welche Berufe oder Berufsfelder das münden könnte.

Sei mutig und mach dein Ding!

Anja 

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